Kirche
Kirchenpatrone: St. Peter und Paul
Ein Prunkstück ist die barocke Pfarr- und Wallfahrtskirche in St. Ulrich. Sie ist den Aposteln Petrus und Paulus geweiht.
Die ehemalige Klosterkirche wurde von 1739 bis 1742 von dem Vorarlberger Baumeister Peter Thumb erbaut. Fresken im Innern der Kirche erzählen vom Leben des heiligen Ulrichs.
Im Jahr 1087 gründete der heilige Ulrich von Zell, der in der Kirche seine letzte Ruhestätte fand, das Kloster. Es gehörte zunächst zu Cluny und bis zu seiner Aufhebung 1806 zur Benediktinerabtei St. Peter im Schwarzwald.

Das ehemalige Priorat beherbergt heute das Bildungshaus Kloster St. Ulrich, Landvolkshochschule. 1949 vom Landvolkpfarrer Paul Wollmann gegründet, ist das Haus eine Erwachsenenbildungsstätte der Erzdiözese Freiburg für den ländlichen Raum.
Ein ausführlicher Kirchenführer ist am Schriftenstand der Kirche erhältlich.
Studierstube von Prälat Dr. Josef Schofer
Lebenslauf
- Geboren am 31. Januar 1866 in Oberbühlertal als siebtes Kind einer Waldarbeiterfamilie
- 1872 – 1880 Volksschule in Oberbühlertal
- 1880 – 1886 Lender'schen Anstalt in Sasbach
- 1888 – 1892 Theologiestudium in Freiburg
- 1892 – 1894 Präfekt am Knabenseminar Tauberbischofsheim
- 1894 – 1904 Repetitor am Theologischen Konvikt in Freiburg und Studentenseelsorger an der Universität
- 1905 – 1920 Generalsekretär des Volksvereins für das katholische Deutschland in Baden
- 1905 – 1930 Mitglied des badischen Landtages in Karlsruhe
- 1918 – 1930 Vorsitzender des Zentrums in Baden, Mitglied des Parteivorstands des Zentrums.
- Am 30. Oktober 1930 gestorben; begraben auf dem Hauptfriedhof in Freiburg
Zeitzeugen berichteten, dass Prälat Dr. Schofer während seiner Zeit als Abgeordneter des badischen Landtages zeitweise das Türmle als Studierstube nutzte, um sich auf seine Reden und Sitzungen in Karlsruhe vorzubereiten.
In einem Nachruf schrieb ein unbekannter Verfasser: „Vater und Mutter erzogen den Knaben zu kerniger Frömmigkeit und harter Arbeit.“ Neben seiner pastoralen Arbeit war seine politische Tätigkeit innerhalb und außerhalb des badischen Landtages geprägt vom Kampf gegen einen Staats-Absolutismus und einen Liberalismus innerhalb der Amtskirche wie ihn Wessenberg als Generalvikar in der ehemaligen Diözese Konstanz vertrat. Besonders engagiert hat er sich für ein katholisches Pressewesen (Mitbegründer des Tauber- und Frankenboten) und für eine konfessionelle Lehrerausbildung (Lehrerbildungsgesetz 1926). Baden bekannte sich als erster Landesverband zum republikanisch-parlamentarischen System. Der Volksmund nannte den mit starker Überzeugungskraft und Volkstümlichkeit ausgestatteten Politiker für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg als den „ungekrönten Großherzog von Baden“ (P. Enderle). Schofer war im Landtag ein wichtiger Stabilitätsfaktor für die Koalitionsregierungen aus Zentrum und SPD von 1919 bis 1931 in Baden, welche dem Land vergleichsweise stabile politische Verhältnisse brachten in der in weiten Teilen des Deutschen Reiches turbulenten und krisengeschüttelten Zeit der Weimarer Republik. Intensive Kontakt pflegte Schofer zu Matthias Erzberger (1879-1921) und Joseph Wirth (1879-1956) und kämpfte für die Überwindung der bedrückenden Folgen des Badischen Kulturkampfes für die katholische Kirche.
Schofers sozialpolitische und volkserzieherische Grundgestimmtheit kommt gut in seiner Schrift „Aus jenen Zeiten“ zum Ausdruck, in welcher er am Beispiel von Ämilian Ussermann aus St. Ulrich seine Meinung darlegt.
Expositorium am Hochaltar von Matthias Faller
Pfarrkirche St. Peter und Paul in St. Ulrich
Im Jahre 2017 entdeckte unser Mesner auf dem Dachboden der Kirche ein verstaubtes und vom Holzwurm befallenes Objekt. Nach genauer Betrachtung zeigte sich, dass das geschnitzte Holzteil eine handwerklich und künstlerisch wertvolle Arbeit ist. Die Frage stellte sich nun, was es genau sein könnte und wo es genau hinpassen würde. Nach einiger Zeit des Grübelns und Suchens fand dann Wolfgang Karle und sein Sohn Simon die Lösung: Die Schnitzarbeit passt millimetergenau auf den Tabernakel am Hochalter. Das war gar nicht so schnell klar, weil ein ähnliches Teil im Keller des Pfarrhauses aufbewahrt wird. Allerdings in der Machart und kunsthistorisch passt es nicht exakt zum Hochaltar.
Bei der wertvollen Schnitzarbeit handelt es sich um das Expositorium von Matthias Faller für den Hochaltar in der Klosterkirche. Wegen der unverwechselbaren Schnitzart und der nahtlosen Passgenauigkeit bestehen keine Zweifel über den richtigen Ort. Bei Barockaltären befindet sich in der Regel auf dem Tabernakel eine Expositionsnische (Expositorium), in der das Altarkreuz steht und die bei Anbetung oder Aussetzung des Allerheiligsten (Expositio sanctissimi Sacramenti) die Monstranz oder das Ziborium aufnimmt. Häufig wird die Expositionsnische von zwei Engeln flankiert.
Engel links mit Ähre
In einer Klosterkirche einer Ordensgemeinschaft, die sich dem Leitspruch „ora et labora“ verpflichtet weiß, ist Verehrung des Allerheiligsten und die Anbetung vor Christus, dem Herrn, unter Anteilnahme der ganzen Gemeinschaft mit Lesungen, Gesängen und Zeiten stillen Gebetes ein tägliches Ritual. Dadurch soll das Gebet fruchtbarer und wirksamer werden für das geistliche Leben dieser Gemeinschaft. Auf diese Weise wird nämlich der Geist der Einheit und der Brüderlichkeit, der durch die Eucharistie bezeichnet und bewirkt wird, unter den Mitgliedern der klösterlichen Gemeinschaft gefördert.
Ostern: Auferstandener im Expositorium
Ein besonderes Charakteristikum in St. Ulrich liegt darin, dass nicht nur das Altarkreuz oder die Monstranz in das umhüllende Velum gestellt werden können, sondern an Ostern auch der Auferstandene mit der Siegesfahne. Im Laufe des Kirchenjahres kann das Expositorium auch abgenommen werden, so dass das Hochaltarbild mit der Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit gut zu sehen ist.
Einen besonderen Dank gilt dem Restaurator Wolfgang Karle für die gelungene, dem Gesamtbild des Hochaltares angemessene Restaurierung des wieder entdeckten Expositoriums.
Bilder
Altartisch mit Tabernaktel und Expositorium, Petrus und Paulus, Hl. Barbara und Hl. Ulrich
Expositorium, Tabernakel und Teilansicht des Hochaltarbildes: Krönung Mariens durch die Heilige Dreifaltigkeit




