Gedanken zur Zeit

Königskind

Verpflichtung und Privileg

 
 
Im Psalm 23 gibt es einen Vers, der mich beschäftigt: er salbt mein Haupt mit Öl oder in der neuen Einheitsübersetzung: Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt.
 
Mit Öl salben – das tut ja heute kein Mensch mehr (außer natürlich bei Charles III. von Großbritannien, Briten halt). Mit Öl salbte man Könige, König David fällt einem da sofort ein. Und gesalbt wurde auch nicht irgendwie, nein, das Öl wurde ihm über den Kopf gegossen. Wir finden das heute eher unappetitlich – außer natürlich bei Wellness-Behandlungen. Salbe und salben haben etwas miteinander zu tun – da geht es um das Heil.
 
Der zukünftige König wurde mit Öl übergossen und so gesalbt, damit er als für alle sichtbar war. Natürlich hat das auch was mit Prestige zu tun. „Sehr her, wir können uns das leisten!“ Öl war damals nicht so billig und leicht zu haben. Und natürlich hatte das auch etwas Magisches – an so einem flutschigen König konnte das Böse keinen Halt finden, dachte man wenigstens.
 
Der König wurde gesalbt, nicht gekrönt. „Salbung“ – das klingt schon nach etwas ganz Großem, ein bisschen nach heilig. Und das soll es ja auch. Gesalbt wird - wieder König David - im Auftrag Gottes – und wieder geht es um das Heil.
 
Und was hat das mit mir zu tun? Wir denken nicht sehr oft daran, aber: auch wir sind gesalbt, mit Öl, auf‘s Haupt. In der Taufe wurden wir mit Chrisam bezeichnet und diese Salbung wurde in der Firmung noch einmal bekräftigt. Wir sind tatsächlich gesalbt und haben damit Teil an der Königswürde Gottes. Wir sind Königskinder! Nicht von ungefähr sprechen wir Gott, den wahren König, als „Vater“ an.
 
Königskinder sind etwas Besonderes. Sie haben Privilegien, aber es wird auch ein besonderes Verhalten von ihnen erwartet. Ich finde, das betrifft uns auch. Königskind sein, das ist eine Haltung, die vor allem die Liebe des Vaters widerspiegelt und die zur Mitarbeit drängt an seinem Reich und seinem Plan: dem Leben in Fülle für alle – schon wieder das Heil.
 
Unser Privileg? Wir sind frei! Uns ist das Reich zugesagt! Wir sind schon erlöst! In dieser Heilszusage, auf die wir immer wieder neu vertrauen dürfen, liegt die besondere Würde und Freiheit von uns Königskindern! Wir müssen uns allerdings darauf einlassen. Erlösung geschieht ja nicht erst nach diesem Leben, sie beginnt immer da, wo wir unseren Auftrag ernst nehmen und Zeugnis geben von Gottes Liebe und Nähe. Dazu müssen wir nicht von Tür zu Tür gehen „Guten Tag, ich möchte mit ihnen über Gott sprechen“ und die Menschen bedrängen. Zeugnis geben wir auch dadurch wie wir uns verhalten, mit welcher Haltung wir einander begegnen und auf andere zugehen.
 
Wie schön wäre es, wir würden uns daran häufiger erinnern: Ich bin Gottes geliebtes Kind, ein Königskind!
 
Wer die Geschichte von König David nachlesen möchte, findet sie ab hier: 1 Sam 16
 
 
 
 
 
Text: Andrea Ludwig
Bild: canva.com